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2. Juli 1942

Ein tragischer Tag und Aussagen der Zeugen über die letzten Augenblicke im Gefängnis. Das Treffen mit Alvín Palouš und der Vermerk des letzten Dienstes von Jaroslav Charypar für die Helden aus Pardubice.

Darüber, was mit den Verhafteten, die einen direkten Anschluss an das Funkgerät Libuše hatten und die über ihre Platzierung in Ležáky wussten, blieben in der Zeit zwischen der Verhaftung und der Hinrichtung selbst nur sehr wenige Zeugnisse erhalten. Seit dem Beginn der Gefangenschaft, d.h. seit dem Samstag 20. Juni 1942, war die Hauptbemühung der Nazis durch harte Vernichtungsdrohungen, das physische sowie physische Foltern, die Versprechungen der Freiheit und der materiellen Sicherung oder die Rettung des Lebens der Familienangehörigen oder des eigenen Lebens, das Schweigen der Verhörten zu brechen. Sie brauchten einen größtmöglichen Teil des Hauptzweiges der Widerstandsorganisation aufzudecken, die für sie wirklich gefährlich war. Es ist in Betracht zu ziehen, dass die Nazis zu dieser Zeit nicht wussten, ob es ihnen gelingt, das Funkgerät zu ergreifen. Deshalb war es erforderlich, die Personen durch die Zerstörung des ganzen Netzes zu isolieren. In den Zellen der Untersuchungsdienststelle in Pardubice traf sich nebeneinander eine Reihe von Menschen, die sich früher nie getroffen haben, manche kannten sich vom Sehen, die anderen waren schon über mehrere Jahre nahe Freunde. Nähern wir uns der Atmosphäre und den Gedankenabläufen der Einzelpersonen an, die keine Ahnung davon hatten, wie lange sie noch am Leben bleiben, ob ihre Verwandten noch leben und vor allem, wie lange sie das Schweigen noch aushalten, damit sie auf Grund ihrer Schuld die Reihen der Gefangenen noch nicht mehr erweitern. Wie sich das Verhalten der Widerstandkämpfer aus Pardubice, teilweise der Bürger aus Ležáky oder der Gestapo-Mitglieder selbst entwickelte, kann uns bisher nur eine einzige Quelle verraten. Karel Andrle, der evangelische Pfarrer aus Krouny u Hlinska und einer der Gefangenen in der "Bastille" in Pardubice, wie er das Gefängnis selbst nannte, schrieb vom Dezember 1945 bis zum Januar 1946 Zeitungsartikel mit folgenden Fortsetzungen. In diesen ist das Gefängnisleben während der grausamsten Morde für die Heydrichiade in der Region Pardubice festgehalten. Der Autor dieser Artikel hielt im Detail nicht nur das mitleidlose Foltern der Gefangenen und das zynische Verhalten der Gestapo-Mitglieder, sondern auch die Schaffung der Freundschaften und der Solidarität unter den Festgenommenen, sogar auch den nonverbalen Kontakt mit der äußeren Umgebung fest. Es ist fast erstaunlich, mit welcher respektablen Unbefangenheit er seine Erlebnisse schildern konnte.

Diejenigen, die in die Fallschirmoperation eingeweiht waren, verbrachten in der gedämpften Atmosphäre der Folterkammer in Pardubice mindestens eine Woche, bevor sie in Zámeček getötet wurden. Die Situation in Pardubice spitzte sich für die am 20.-22. Juni 1942 Festgenommenen weiter zu und es kamen weitere Organisationsmitglieder zu, es stieg auch die Anzahl der Selbstmordversuche. Am 23. Juni versuchte mit einem Sprung in den Fluss Chrudimka ihr Leben Anna Košťálová, die Mutter von Arnošt Košťál, zu beenden. Am 24. Juni wurden Adolf Švadlenka aus Mikulovice und der Explosie-Angestellte Jaroslav Dvořák verhaftet. Am 25. Juni wurde in Mnětice Josef Chrbolka festgenommen. Vratislav Truhlář, der Bruder von Marie Vašková, entwich der Verhaftung  am 26. Juni durch einen Selbstmord mit Hilfe einer Kreissäge. Am 27. Juni schnitt sich  František Valenta aus Mikulovice unmittelbar vor der Verhaftung die Halsadern durch, jedoch durch einen rechtzeitigen ärztlichen Eingriff wurde er gerettet. Er überlebte den Krieg im Versteck in einer Anstalt für Geistesgestörte in Německý Brod (Havlíčkův Brod). Am 28. Juni wurde Emilie Chrbolková, die Mutter von Josef Chrbolka aus Mnětice verhaftet, die ebenfalls versuchte, einen Selbstmord zu begehen, jedoch auch sie wurde durch die Unterbringung im Sanatorium in Německý (Havlíčkův) Brod gerettet. Pavlína Nývltová beschreibt in ihrem Buch die Operationen der Gestapo in der Umgebung von Náchod im Zusammenhang mit der Ergreifung von Jiří Potůček. Das waren viele weitere Verhaftete. Zwischen den letzten wurde zur Gestapo am 7. Juli auch das Ehepaar Švarc, die Eltern von Věra Junková, gebracht. Die Anzahl der Verhafteten stieg daher und die ausgangslose Situation im Gestapo-Gefängnis in Pardubice musste deprimierend sein.   

Jede Zelle der Zwangsarbeitsanstalt in Pardubice, wo die Verhafteten gehalten wurden, hatte ihren Leiter. Der war für die Arbeitsmoral der Mitgefangenen, für die Ordnung in der Zelle sowie für scheinbare Details, wie zum Beispiel die geschlossenen Fenster, verantwortlich. Der Aufseher Karl Köck war der „Erfinder des Gucklochs". Die Gefangenen sollten nicht wissen, dass er die Blechtür öffnete und sie beobachtete. Unter gewöhnlichen Umständen war das Knarren der kleinen Tür im inneren der Zelle zu hören, aber Köck legte in das Guckloch ein Papier mit einem winzigen Loch ein, sodass er einen Überblick über die Zelle hatte, ohne dass die Gefangenen wüssten, dass er sie beobachtet. Karl Köck ertappte Josef Běhounek, der im März bis August 1942 die Zelle Nr. 16 leitete, bei einem mehrminütigen Blick aus dem Fenster. Běhounek wurde ins Büro zu Walter Piller gebracht, der ihn mit Ochsenziemer bestürmte und zu tausend Kniebeugen zwang. Piller und H. Körber waren diejenigen, die die Exekutionen an den Verhafteten durchführten. Köck trug überwiegend auf die Gefangenen zu und er gab gerne diesem oder jenem Gefangenen Fußtritte oder Faustschläge. Mojmír Václavek wurde für seine führende Rolle in der studentischen Bewegung verhaftet. Gleich bei dem ersten Verhör fiel er in die Hände von Köck und der beiden Brüder Aschenbrenner. Als er aus der Bewusstlosigkeit wieder zu sich kam, stellte er fest, dass seine linke Ohrtrommel geplatzt ist. Das zweite Verhör war schon viel mehr brutaler, denn diese drei Personen begannen dem Festgenommenen die kleinen Finger auf beiden Händen auszurenken.

Karel Andrle hielt den gespannten psychischen Zustand, den Stolz sowie die Machtlosigkeit der Verhörten in folgenden Ereignissen fest. Das erste zeigt den Trotz, den die Gefangenen im häufigen Maß provokativ vorführten: „(…) Wir leben jetzt in einer Spannung, wir sprechen vorsichtig und wir passen gut auf, dass uns hinter der Tür kein SS-Mann hört. Sie haben es regelmäßig getan. In der Zelle ist es stickig, es ist der Tod dort, das spüren wir alle. Wir geben Čeřenský (Mitgefangener - Anm. des Autors) Mut, wie es wir nur tun können, obwohl er völlig ruhig ist. Nur von Zeit zu Zeit hört der Beutel in seinen Händen zu knistern auf  und Čeřenský starrt irgendwohin ins Leere und wir verhalten uns, als ob wir ihn nicht beobachten...Bei der Untersuchung fanden sie bei ihm scharfe Patronen in eine Browning-Pistole, die sie erfolglos suchten. Darüber hinaus flüchtete der Sohn, ein Offizier, nach England. Er ist ein Sozialdemokrat, das erleichterte ihm die Situation nicht. Nach dem Attentat ging er über den Platz von Pardubice mit dem Freund Jaroslav Ruml, einem Sechziger. Dieser ist hier auch, aber in einer anderen Zelle. Unweit von ihnen geht der Schwager von Čeřenský und Čeřenský ist überzeugt, dass er sie angegeben hat, dass sie mit dem Attentat einverstanden waren. Bei den Verhören sagt er es den Gestapo-Mitgliedern in die Augen und diese schweigen verlegen. Es gibt keine Beweise. Der Freund Ruml verneinte resolut, dass sich Čeřenský über das Attentat auf dieser Weise äußern würde. Der Gestapo-Angehörige schlug Ruml mit einem Schlag in den Kopf zu Boden, dieser sprang jedoch auf, öffnete den Mantel und das Hemd und schrie in ihre Augen:  Erschießt mich, ich habe keine Angst vor Ihnen. (…) Er ist schwerhörig. Das kommt von dem schrecklichen Schlag des Gestapo-Angehörigen mit einem Schlagring auf das Ohr.“

„(…) In der Zelle wird es dunkel, draußen rattern Motoren. Ein schlimmes Zeichen. Zámeček! Ruhe, die durch ein Schuh des SS-Mannes unterbrochen wird. Er kommt zu unserer Zelle Nr. 28. Der Kreis um den Tisch lief in alle Seiten, die Tür öffnet sich und Karl Köck ruft mit einer gedämpften Stimme Čeřenský. Die Herzen blieben uns stehen, wir wussten, was es bedeutet - es war Donnerstagabend. Schon längst schloss sich die Tür hinter Čeřenský zu, die Autos sind weggefahren und bald sahen wir sie aus dem Gitter in den Fenstern in der Kurve zu Zámeček. (…) Sie wurden ohne Gericht und ohne Beweise erschossen. In der Zelle wurde es dann still wie in einem Haus, in dem der Bauer starb…“

„Am Freitagmorgen traten wir zum Spaziergang im Hof an. Es kamen viele dazu. Es war dort auch schon der junge Čeřenský. Kaum konnte er wissen, dass sie ihm abends in Zámeček seinen Vater erschossen haben. Der obere SS-Mann Körber rief aus der Reihe den Sohn von Čeřenský hervor und schlug ihn ins Gesicht. Wir bissen zusammen und ballten die Fäuste. Wir selbst spürten diesen Schlag, als ob ihn das ganze Volk bekam.“Ein weiteres Zeugnis stellt das wirklich brutale Verhalten der Gestapo-Angehörigen bei den Verhören dar: „Wir hörten Schreie und das Stöhnen der gefolterten Gefangenen und aufregende Szenen auf den Gängen des Gefängnisses. Hans Körber, ein sadistischer und ruchloser Mensch, Henker und Trinker, vor dem auch die SS-Männer zitterten, war in seinem Element. Wir hörten dem Erschlagen der Juden auf dem Gang mit aufgehaltenem Atem zu und wir überprüften es später (…).Unsere Freunde aus anderen Zellen bestätigten uns, wie Körber einen der verhafteten Juden herausschleppte und wie sie nach mehreren Stunden seinen halbtoten Körper zurück in die Zelle unter den Tisch warfen, wo er auf dem kahlen Boden ohne Decke schlafen musste. Er blutete aus vielen Wunden. Die Freunde kümmerten sich um ihn und sie gaben ihm ihre Decke, aber sie entgingen nur knapp der Quälerei des wütenden Körbers, als er es erfuhr. Er schleppte das arme Mitglied der "niedrigen Rasse" heraus, dieses kam in die Zelle niemals zurück.“

Die Unsicherheit und die Angst vor dem Foltern und dem eventuellen Verraten der weiteren Widerstandskämpfern führte eine Reihe von den Gefangenen zu einer extremen, endgültigen Lösung: „Ende Juni 1942 erlebten wir eine der graulichen Nächte. Sie brachten in Autos immer neue Gefangene und erst gegen Mitternacht beruhigte sich der Verkehr. Aber aus dem ersten schwachen Schlaf weckte uns ein merkwürdiges Rascheln, das ab und zu stärker wurde und das sich in ein wildes Kettengeklirr veränderte, es kam irgendwo von unten aus den Kellerräumlichkeiten entlang der Zentralheizleitung (…). In dieser Nacht schliefen wir schlecht. Immer wieder weckte uns das merkwürdige, fast grässliche Kettenklirren, das wir auch noch am zweiten Tag in den Vormittagsstunden hörten (…). Die zweite Nacht trug sich wieder im Zeichen dieses Kettenklirrens, bei dem es uns schlecht wurde. Jemand wird gefoltert, jemand leidet und wir ballten die Fäuste und die Gedanken liefen unruhig, um ein gewisses blutiges Geheimnis herauszufinden. (…) (Am dritten Tag morgens – Anm. des Autors)Selbst Körber führte in unsere Zelle einen hohen schönen Mann, einen Vierziger, der in der Hand eine Schüssel mit dem Mittagessen hielt. Auf den ersten Blick sahen wir auf seinem Hals einen roten, blutigen Streifen, vielleicht von einer Schnurr, oder einer Kette. Die Tür war schon geschlossen und wir standen verlegen um Alvín Palouš, den Eigentümer der elektrotechnischen Fabrik in Pardubice (…) (10). Sie ketteten ihn nackt im Keller an den Heizkörper an, an der er mit den Ketten schlug, deren Klang in der Nacht, als alles schlief und die Zwangsarbeitsanstalt wie erstickt war, bis zu uns in die Zelle durchdrang (…). Als er sah, dass alles verraten ist, bemühte er sich noch das zu retten, was möglich war. Und in so einem Augenblick gelang es ihm, aus den Schuhen, die sie ihm auf den Füssen ließen, die Schnurren herauszureißen und um den Hals eine Schlinge festzuklemmen, damit er, wie er es selbst zugab, nicht vor die Henker gehen und noch mehr verraten musste, wenn sie ihn noch mehr gefoltert würden. Und in dieser tödlichen Position wurde er bewusstlos und er schlug mit sich in einer Position, in der er nicht stand noch kniete, und den Ketten an den Radiator, der zu uns über die Heizleitung diese graulichen Klange in unseren Schlaf brachte  (…). Die Gestapo war jedoch an ihm sehr interessiert, und daher wurde uns auferlegt, die Verantwortung für sein Leben in der Zelle zu tragen. Aber Palouš lächelte nur.“

Eine weitere Methode der emotionalen Erpressung der Verhörten war die Konfrontation mit den Familienangehörigen: „(…) Mit seiner Frau traf sich Alvín Palouš nicht mehr. Sie verhörten ihn nur einmal und seiner Frau befahlen sie, dass sie sich hinter ihn stellen und sprechen sollte. Er selbst dürfte sich nicht umdrehen. Sie trafen sich erst wieder in Zámeček am 2. Juli…“

Um den Aussagewert dieses Zeugnisses zu erhalten, muss ich auch auf die positiven Erlebnisse des Artikelautors aufmerksam machen, ob es sich schon um die entstehenden Freundschaften zwischen den Verhafteten, die ermutigende Nachrichten aus der Außenwelt oder das Verhalten einiger Aufseher handelt. Das erste Bekanntmachen von Alvín Palouš mit den gezwungenen Bewohnern der Zelle Nr. 28 verlief folgendermaßen: „(…) er begrüßte: Hallo, Freunde! Nach einer Weile setzte er sich an den Tisch und lag vor unsere hungrige Augen einen Melkeimer mit einer wässrigen Suppe und eine Schüssel mit Knödeln, sein Mittagessen, das wir uns ehrlich untereinander teilten. Die "Pardubitzer" Zelle war eine Kommune, in der brüderlich alles geteilt wurde, auch eine Mandarine oder ein Stück Apfel oder Salami, der zu uns nur selten geschmuggelt wurde. (…) In der Zelle war jedoch weniges zu teilen, aber es war mit einem Hauch von etwas, was einige dort draußen niemals kennenlernten und worin auch das Licht einer wunderschönen Sättigung in einer Wüste durch mehrere Brotlaibe leuchtete. Niemals aßen sie so ein süßes Brot, wie wir, geteilt in kleine Stückchen und vom Mund des Freundes abgerissen, der blas vor Hunger war, jedoch er konnte kein Bissen schlucken ohne sich mit dem Bruder, dem Mensch zu teilen, der ebenfalls so hungrig ist, wie er selbst (...).“

„Davor beobachteten wir aufgeregt zwei Damen, die Tag für Tag genau um 7 Uhr abends auf einem Fahrrad hinter die Zwangsarbeitsanstalt über die Wiese an den Rand des Feldes in Richtung Studánka kamen. Im Nu stiegen sie vom Fahrrad ab und dann wechselten sie sich in der Übergabe der Nachrichten über die Kriegssituation mit so einer suggestiven Gestikulation ab, dass wir an den Fenstern ohne Atem standen. Sie benutzten Sportzeichen und wir verstanden gut, dass im Osten die Deutschen eine Prügel bekamen, im Westen ein schreckliches Bombardieren ist und dass im Süden die Situation für die Italiener jämmerlich ist; Nach einigen Minuten stiegen sie wieder schnell aufs Fahrrad und verschwanden immer in eine andere Richtung; eine ältere Dame und ein junges Mädchen oder Frau. Es war ein wunderschöner Blick auf sie, als sie schließlich nach der beendeten Produktion nebeneinander mit aufgerichteten Rechten standen. Es strahlte aus ihnen die Kraft des Sieges und der Ruhe und der Festigkeit. Einige ihre Bewegungen lernten wir auswendig, um sie denjenigen weiterzugeben, die an den Fenstern nicht sitzen konnten, weil sie an der Zellentür aufpassen mussten, ob kein SS-Mann leise, wie sie es machten, in Hauschuhen zur Erkundung kommt (…). In einer strengen Isolierung konnten wir auf diese Weise die letzten Nachrichten aus London oder Moskau annehmen und niemand wird glauben, was für eine Ermutigung es für uns war (…).“

„Ich glaube nicht daran, dass es bei uns eine halbe Million von loyalen Deutschen gäbe, obwohl ich mich ab und zu auch mit einem vernünftigeren Wachmeister und insbesondere in Dresden und Litoměřice mit Deutschen als politischen Gefangenen traf, die den Nazismus und Hitler vor den Wachmeistern so furchtlos verfluchten, dass wir staunten. Aber Ruda Keck (sic!), das wussten wir alle, war eine merkwürdige Ausnahme im Bereich der schrecklichsten Bestialität der Gestapo in Pardubice und im Büro. Niemals hörte ich ihn schreien und erst nicht jemanden schlagen. Er sprach immer ruhig und er verhielt sich menschlich. Vor Körber hatte er eine größere Angst als wir. Sein Bruder Karl Keck (sic!) kam sogar einmal in die Zelle um uns zu bitten, damit wir uns „stramm“ verhalten, wenn Rudy Dienst hatte, dass er einen weichen Charakter hat und dass er nicht weh tun kann und immer in Gefahr ist, dass ihn Körber auf die Front vertreibt. Er sollte ihn wohl hassen, weil er nicht fähig war, die Gefangenen brutal zu behandeln (…).“ Die Brüder Köck spielten im Gefängnis entgegengesetzte Rollen. Während Rudolf als eine positive Person wahrgenommen wurde, Karl war wörtlich sowie körperlich ein brutaler Aufseher. Kral schlich sich im Gang des Gefängnisses in Hausschuhen und durch Gucklöcher schaute er unhörbar in die Zellen hinein. Bei geringster Verletzung der Gefängnisordnung wurde der Unglücksmensch aus der Zelle gebracht und bis zum Nichterkennen geschlagen oder durch huderte Kniebeugen, die er durchführen musste, abgehetzt. Insbesondere bei physisch schwächeren oder älteren Festgenommenen konnte so eine Strafe schwere Gesundheitskomplikationen hervorrufen. Sein Bruder Rudolf Köck ist nicht der einzige von den Aufsehern und Angestellten der Gestapo, der uns als Mensch, der seine Menschlichkeit nicht verlor, vorgestellt wird. Im wesentlichen gleich wird auch die Charakteristik eines weiteren Aufsehers, Jan Massinger, festgehalten, den der Untersuchungsführer im Jahre 1945 als eine positive, hilfreiche Person bewertete. Massinger ermöglichte den vermählten Paaren, die verhaftet wurden, dass sie sich vor dem Verhör geheim treffen und bei einem kurzen Gespräch die  Aussagen einigen konnten.  

Jedoch jetzt kommt, aus der Sicht der Opfer aus Ležáky, der wichtigste Teil dieses Zeugnisses. Gerade Andrle verriet uns, wie die letzten Stunden der Verurteilten vor der Hinrichtung verliefen: „Palouš sprach sehr gerne mit dem Lehrer Richtr und dann mit dem Großvater Pelikán aus Včelákov, der in Ležáky in der Mühle von Švanda seine junge Tochter Šťulíková verheiratet hatte, und der eigentlich von den Bürgern aus Ležáky nach dem Krieg als einziger nach Hause aus dem Konzentrationslager dieses Jahr im Mai zurückkehrte. Er war fast taub, aber er war ein netter und intelligenter Mensch. Ich erinnere mich oft an ihn, als wir ihm das Schicksal von Ležáky, über das er nichts wusste, verschwiegen. Seine Frau sowie die Tochter und der Schwiegersohn waren mit uns in einem Gang. Dass seine Enkelkinder von den Deutschen verschleppt wurden und dass von Ležáky nur Ruinen übrig blieben, wusste er nicht   (…).“

Am 1. Juli versucht Körber die letzte Möglichkeit, wie das Schweigen aller interessierten Personen, die etwas mit dem Funkgerät zusammen hatten, durchzubrechen: „(…) sie rufen Palouš aus der Zelle hervor. Er kehrte in wenigen Minuten mit strahlenden Augen zurück. Was wollten sie dir? Fragen wir ihn. Na ja, sie brachten uns, viele Männer und Frauen, auch meine Frau habe ich gesehen, zusammen, und sie gaben uns mehrere Möglichkeiten, wie wir uns das Leben retten können. Sie werden uns angeblich nicht erschießen, wenn wir verraten, wo die geheimen Waffen- und Sprengstofflager sind. Ich hatte Angst, erzählt Palouš schnell, aber eine Frau, die hinten stand, rief: Wagen sie kein Wort zu sagen! Es brach ein Hetze und Geschrei aus und schließlich schickten sie uns in die Zellen. Morgen ist Donnerstag, Freunde, die Maschinengewehre werden Arbeit haben.“

Körber log wieder. Die tapfere Frau, die die anderen von einem Verraten weiterer Informationen abriet, schätzte ganz genau die Situation ab. Über das Schicksal aller Personen war schon über mehrere Stunden entschieden. Um einen Tag früher, d.h. am 30. Juni, schrieb nämlich Jaroslav Charypar in sein Tagebuch diese Anmerkung: „(…) Mit gläsernen Augen schauen wir aufeinander (Krematorium-Angestellte - Anm. des Autors) mit der stummen Frage, was wird der nächste Tag bringen, denn einer von den Bütteln bemerkte, dass wir eine "große Portion" bekommen werden.“ Daraus ergibt sich, das sich die Gestapo schon zwei Tage im Voraus das Krematorium und seine Angestellten für ihre Bedürfnisse bestellte.

Am 29. Juni 1942 besuchte die Gestapo-Dienststelle der Vater von Zdenka Hrdinová, geb. Doubravová. František Doubrava, der in die nachrichtendienstliche Tätigkeit seiner Tochter, des Schwiegersohnes, des Ehepaars Krupka sowie von Bartoš gut eingeweiht war, hoffte, dass er von der Gestapo eine Antwort bekommt, was mit seinem einzigen Kind geschehen wird. Lehne sowie Clages waren sehr grob und vor allem Lehne wunderte sich, dass Hrdinová trotz sämtliche Verordnungen über Belohnungen sowie Todesstrafen die Tätigkeit ihres Ehemannes nicht meldete. Dem demutsvollen Vater teilte er mit, dass beide Ehegatten hingerichtet werden, worauf Doubrava ebenfalls einem Verhör unterzogen wurde.

Am 29. Juni war bei den Stantejský in Přelouč Marie Kouřílková und sie informierte sie, dass die Bürger von Ležáky nicht hingerichtet wurden, sondern dass sie am 24. Juni in Zámeček in Pardubičky ausgesetzt wurden. Diese falsche Nachricht führte am folgenden Tag den Vater und den Bruder von Miloš Stantejský zum Besuch der Gestapo in Pardubice und sie fragten nach dem Verlauf der Untersuchung. Schulz wies sie mit der Bemerkung ab, dass sich Miloš schwer schuldig gemacht hat und dass in einer Woche der Familie das Ergebnis mitgeteilt wird. Jedoch auch innerhalb der erwähnten Frist kam von der Dienststelle keine Information. Erst auf den dritten Versuch erfuhr die Familie Stantejský direkt von Lehne, dass Miloš schon hingerichtet wurde. Lehne sollte sich sogar dessen entsinnen, dass Stantejský vor der Hinrichtung "hochverräterische" Stichwörter ausrief, was wahrhaftig war. Am Mittwoch den 2. Juli um 16 Uhr wurde der Verwalter des Krematoriums in Pardubice Fr. Dalecký zu Lehne in die Gestapo-Dienststelle gerufen, dieser teilte ihm mit, dass es an diesem Abend viele Kremationen geben wird. Zu dieser Zeit wurde schon über die Hinrichtung von vierzig Verhafteten, den nächsten Mitarbeitern der Gruppe Silver A, entschieden. Unter ihnen waren auch sieben Mitglieder der Organisation ČENDA aus Ležáky - die Brüder František und Jindřich Vašek, das Ehepaar Františka und Jindřich Švanda, der Bruder von Jindřich Bohumil Švanda, Karel Svoboda und Josef Šťulík. „Am nächsten Tag (am 2. Juli – Anm. des Autors) kam in die Zelle Körber mit mehreren Gangwächtern und zwei Büchern, in die er den Transport - auch zum Tod - notierte. (…) (Palouš – Anm. des Autors) Er stand unentschlossen mit einer Zigarette in der Hand, die ihm der obere SS-Mann Körber als die letzte Zigarette vor dem Tode überreichte und die er mit einem Lächeln anzündete. (…) Freunde, diese werden wir zusammen rauchen. Es ist eine Zigarette des Todes. Freunde, zum Abschied, na, wir sind doch Männer, lass uns keine Komödie spielen. (…) Plötzlich setzt er sich auf die Pritsche und sagt wehmütig: Freunde, alles versagte. Wir machten große Vorbereitungen. Wir hatten Nachrichten, dass sich das Ende nähert. Das Attentat sollte ein Signal für eine Revolution sein. Wir hatten sogar auch schon Menschen angeschafft, die die Verräter hängen sollten, und jetzt nahm es so ein Ende. (…) (Es spricht Andrle – Anm. des Autors) Ich wollte an den letzten Satz anknüpfen, aber in diesem Moment ratterten die Autos. Viele Autos.“ Aus der Nebenzelle beobachteten das Geschehen auf dem Hof auch andere Mitgefangenen. Aus den Autos stiegen Clages, Kröger, Escherlohr und weitere Angehörige der Dienststelle in Pardubice aus. "Es war am 2. Juli 1942, am letzten Tag des Standesrechtes. Schon am Nachmittag herrschte in der Zwangsarbeitsanstalt unter den SS-Männern ein reges Leben. Es wurden auch diejenigen herbeigerufen, die frei hatten. Jetzt öffneten sich die Türen der Zellen und aus ihnen traten Männer sowie Frauen heraus und sie gingen die Treppe herunter in die vorbereiteten Wagen.  Wir stehen in der Zelle schweigsam und trübselig, das Gespräch stockt und bleibt stehen. Schwere Schritte nähern sich. Die sind für mich, Palouš unterbricht das erstickende Schweigen. Wir stellen uns schnell in die Reihe, die Tür ging auf und der SS-Mann Piller, erregt, mit Papierbogen in der Hand, liest Namen vor. Seine Stimme zittert: Alvín Palouš! Er stand neben mir und reichte die Hand dem Lehrer Richtr. Er steigt aus der Reihe hervor und drück mir die Hand. Er wendet sich unserer Reihe zu: Es lebe die Tschechoslowakische Republik, Schande über die Mörder! (…) (Piller schreit – Anm. des Autors) Josef Šťulík! Er ist in der Nebenzelle, meldet der Postmeister Doležal. (…) Šťulík, Šorm, wir hören hinter der Tür seine (von Piller – Anm. des Autors) Stimme.“ Piller kam auch in die Zelle von JUDr.  Žváček und J. Hrdina, er schrie ihre Namen und forderte sie zum Herausgehen auf: „Heraus, so wie ihr seid, ihr müsst euch nicht anziehen, Geld mitnehmen.“ Žváček war angekleidet, Pepík Hrdina ging nur im Hemd, Hosen und hohen Gummistiefeln weg.“ „Der ganze Gang füllt sich mit einer Reihe von Freunden. Links um! Hören wir noch und nach kurzer Weile werden die Schritte auf der Treppe langsam still. Unten Geschrei, Lachen, Männer- sowie Frauenstimmen. Jemand wollte nicht in den Wagen einsteigen. Ein Schimpfwort. Er wird mit Gewalt in den Wagen hineingeworfen.“ „In den ersten Personenwagen steigen JUDr. Žváček, der Lehrer Janáček, der Leutnant Hrdina, Ing. Jánský und ein Patriot, den ich nicht kannte, ein. In den weiteren Wagen stiegen MUDr. Bartoň, Košťál, Pištora und 3 junge Männer, Patrioten, die ich ebenfalls nicht kannte, ein. Alle, die diese letzte Fahrt antraten, hatten gefesselte Hände. Ich beobachte alles weiter und ich sehe, dass vor das Tor des Gefängnisgebäudes weitere Wagen ankommen. Es steigen Frauen ein: Aja Žváčková, Fr. Janáčková, Fr. Hladěnová, geb. Vranešicová, Fr. Bartoňová und viele andere Frauen, die ich nicht kannte.“

„Von dem Geschwätz hören wir das Hohngelächter eines Gestapo-Mitgliedes: Gute Nacht, Herr! Die Autos rattern, wir schauen durchs Fenster, sie biegen zu Zámeček ab. Es sind so viele, atmete der Postadjunkt Vodseďálek aus. (…) Der Großvater Pelikán fragt schon mehrmals hintereinander, was das bedeutet. Vergeblich wartet er auf eine Antwort. Wo ist mein Schwiegersohn?, drängt er immer und immer wieder. Wir geben eine ausweichende Antwort.“

Der Weg der „Verurteilten“ von der Landeszwangsarbeitsstelle zu Zámeček dauerte mit dem Auto etwa zehn Minuten. G. Mikisek erwähnt, dass er aus dem Gefängnis drei oder vier Personen mit der Herkunft aus Ležáky transportierte. Ludvík Schulz mit Helmuth Mieth fuhren im Wagen Josef Tyc und eine Frau: „Ich wusste, wohin ich sie unter der Assistenz von Mieth in der Kolonne fahren soll. Unterwegs fragte mich Tyc bis zu Zlatá štika (Goldener Hecht), wohin ich ihn fahre. Er war dabei so verschwitzt, auch als ich ihm sagte, dass er sich beruhigen soll. Es war schrecklich. Als ich bei Štika zur Kirche in Richtung Familie abbog, fragte mich Tyc nicht mehr, sondern er seufzte tief, denn er wusste schon vor seiner Verhaftung, was sich in Zámeček abspielt.  Auf dem Hof der Ubikationen wurden alle aus den Wagen in den Keller vertrieben. Von den Listen werden wieder verdrehte Namen gelesen. Es folgt ein Marsch in die Sandmulde in Begleitung der Gestapo-Mitglieder. Rechts auf der Aufschüttung sind die Gestapo-Mitglieder, die sich unterhalten, zynisch lachen oder nur das Geschehen beobachten.

Die Hinrichtung am 2. Juli unterschied sich von den vorherigen nicht nur durch die höchste Anzahl der Erschossenen, sondern auch durch außergewöhnliche Ansprüche an die Anzahl des Hinrichtungspersonals. Die Exekution begann ziemlich spät, genauer gesagt um 20:06 und sie endete um 20:47 Uhr. Die Anzahl der Polizisten im Trennkordon erreichte 16, bei der Hinrichtung waren 20 Knechte und das Exekutionskommando selbst betrug 15 Mann. An den Ort der Exekution wurden immer fünf Opfer geführt und das Intervall zwischen ihnen betrug fünf Minuten. Mieth begleitete zum Hinrichtungsort Stanislav Tyc, Escherlohr führte zur Hinrichtung Anna Žváčková, die die auf der Sandmulde stehenden Gestapo-Mitglieder unterwegs anschrie: „Ihr Mörder des tschechischen Volkes! Es lebe Beneš!“ Das Hinrichtungsprotokoll hielt ihr hoffnungsloses, aber gleichzeitig sehr mutiges Geschrei in verkürzter Form fest: „Ihr Mörder“. Schulz hörte die anderen Beamten über Zdenka Hrdinová sprechen, die seit dem Zubinden der Augen bis direkt vor die Schüsse halblaut das Wort "unschuldig" wiederholte, Preuβ notierte dann ins Protokoll, dass Hrdinová unmittelbar vor ihrem Tod „Alle Rache auf die Deutschen“ rief, Františka Jirásková, Bedřich Schejbal und Josef Janáček riefen: „Es lebe die Freiheit und Tschechoslowakische Republik!“ Der Gestapo-Angehörige Schulz sah vom weitem, wie zur getroffenen Anna Žváčková von hinten ein Schupo-Offizier sprang und sie zweimal in den Hinterkopf schoss.(xy) Das Protokoll bestätigt nicht, dass Jindřich Vaško die Augenblende ablehnen würde, wie es Charypar anführt, oder dass es während der Hinrichtung zu anderen außergewöhnlichen Situationen käme. Trotzdem kann man nicht behaupten, dass die Henker die Situation ohne Emotionen geschafft haben: „Ich fand keinen Ort, wo die Salven nicht zu hören wären, vergeblich. Ich ging in die Kantine. Dort saßen einige Schutzpolizisten mit Gesichtern verschiedener Gefühle. An einigen war zu sehen, dass sie mit den Morden auch nicht einverstanden sind, jedoch es durfte nicht gesprochen werden, sonst würde ich selbst dort gleich stehen. Das Erschießen der Opfer dauerte damals bis zu 40 Minuten. [L. Schulz hatte eine genaue Schätzung, denn das Schießen dauerte 41 Minuten - Anm. des Autors]. Nach dem Schießen ging ich nachsehen, wo alle Opfer liegen. Ich sah sie unweit der Fuhre hinter einer schwarzen Decke, die zwischen den Sträuchern gespannt war. Ich sah wieder Mikisek, wie er beim Aufladen der Toten in das Leichenauto hilft. Es war auch zu sehen, dass einige Opfer einen völlig zerschmetterten Kopf hatten.“ In der Kantine verteilte dann Lehne einige hundert Zigaretten und teures Alkohol nicht nur an Schützen sondern auch an alle anwesenden Offiziere.

Charypar kam in Zámeček am 2. Juli fast im Dunkeln an. Aus dem Wagen sah er in den Intervallen die letzten sieben Opfer, die zum Hinrichtungsplatz gingen. Charypar entsann sich, dass unter den letzten der Hotelier Košťál und MUDr. Bartoň herbeigeführt wurden. Kurz nach zehn Uhr abends lud er die beiden toten Männer als erste in den Wagen auf. Dass als erster "Erna" Košťál gebracht wurde, bestätigt uns auch Fr. Dalecký. Während einer Fahrt brachte er ins Krematorium sechs Leichen. Unter den blutigen Leichen war eine saubere - die von Taťána Hladěnová. Charypar führt an, dass sie wie gewaschen aussah und die Mitglieder des Erschießungskommandos gaben sie als letze aus. Sie machten noch Grimassen und sie verzichteten auf das geschmacklose Klatschen nicht. Notiz von Jaroslav Charypar: „Der 2. Juli wird für die Stadt Pardubice und ihre Bürger für ewig ein Tag der Trauer und Erinnerungen an die guten Bürger und treue Töchter und Söhne des tschechischen Volkes sein. An diesem Tag fielen auf dem Hinrichtungsplatz bei Zámeček 42 Helden  [richtig 40 Menschen – Anm. des Autors] – davon waren 22 Bürger aus Pardubice. Das war die angemeldete "große Portion". Ich war Zeuge dessen, als sie einige zur Hinrichtung führten. Alle liefen stolz und tapfer, auch vor dem Tod zeigten sie ihren Mördern keine Schwäche. Nur Dr. Bartoň war gebrochen, denn vor einigen Augenblicken ermordeten sie seine Frau [Emilie Bartoňová starb in Osvětim, nicht auf dem Hinrichtungsplatz in Zámeček – Anm. des Autors]. Auch die Mitglieder des Erschießungskommandos selbst, die schon über Jahre diese Profession ausübten, sprachen untereinander über die Tapferkeit dieser Menschen mit Bewunderung. Und so hörte ich, dass Žváčková vor dem Tod rief: „Es lebe England, Beneš, die Tschechoslowakische Republik“ und der Leutnant Vaško: „Ich will die Augen nicht zubinden, um meine Mörder sehen zu können!“ Auch diese Gauner nannten ihn als Held. Dann verhalten die Schüsse und es fing meine schreckliche Aufgabe an. In dem Haufen der zusammengeflochtenen, blutigen und deformierten 42 Körper waren so viele Menschen, die ich so gut persönlich kannte. Ich stand hier über ihnen in stummer Bewegung als einziger von den Menschen, völlig allein, denn die sechs Helfer, die sich gerade zu den Toten stürzten, um sie in den Wagen zu werfen, das können keine Menschen sein, diese dürfen niemals mit den Wörtern Mensch und Menschen bezeichnet werden. Einmal muss eine Strafe kommen, keine Rache, sonder eine gerechte, harte Strafe. Gott gib, dass niemals mehr das wertvolle tschechische Blut in Flüssen fließt! Gott gib, dass wir alle stark sind!“

F. Dalecký notierte genau das Aussehen und die Verletzungen der Toten von diesem Tag: „Wenn es möglich war, was unter verschiedenen Umständen und Erfindungen des anwesenden Aufsichtsorgans geschah, bemühte ich mich bei einigen Bekannten, eine detaillierte Beschreibung festzustellen. Dr. Žváček Schussverletzungen, Gesicht mit Blut bespritzt, Fr. Žváčková 3 Schussverletzungen, der Kopf über dem rechten Auge getroffen, eine blaugrüne Beule vom Schlag. Ein anwesendes Gestapo-Mitglied der polnischen Nationalität teilte mit, dass sie sich wohl tapfer benahm und verschiedene Sprichwörter rief: „Es lebe die Republik, es Lebe Beneš!“ Die Lehrerin Junková, das Gesicht teilweise blutig, linker Arm verrenkt, 3 Schussverletzungen, die Brust und der Kopf verletzt. Ing. Palouš, mehrere Schussverletzungen, die Brust, die Hüfte, das Gesicht mit Blut bespritzt. Fr. Paloušová, 3 Schussverletzungen und das Gesicht ebenfalls blutig, der Kopf auch getroffen. Der Lehrer Janáček, Schussverletzungen, das Gesicht blutig, der Kopf verletzt, wahrscheinlich bei einem Fall auf den Boden. Dr. Bartoň, eine Wunde hinter dem rechten Ohr, 3 Schussverletzungen, das Gesicht mit Blut und Erde bespritzt, Augen halboffen. Der Bürgermeister Josíf aus Opatovice, mehrere Schussverletzungen, die Brust, auch der Bauch getroffen, das Gesicht mit Blut bespritzt, linker Arm verrenkt. Fr. Hladěnová war die einzige, die in einem völlig normalen Zustand war, als ob es schien, dass sie überhaupt nicht erschossen wurde. Unter verschiedenen Vorwänden gelang es mir in Anwesenheit eines Gestapo-Angehörigen Fr. Hladěnová ordentlich mit Hilfe des Angestellten Plíhal zu untersuchen und es wurde festgestellt, dass sie eine Schussverletzung  in der linken Herzseite hat und Gewaltmerkmale waren ebenfalls nicht ersichtlich. Sie war die einzige, die in so einem perfekten Zustand gebracht wurde. Der Inspekteur Hebký aus Pardubice, mehrere Schussverletzungen, das Gesicht mit Blut bespritzt, eine Wunde über dem rechten Ohr. Weitere Personen wurden auf ähnliche Weise erschossen und viele wurden außerhalb des bestimmten Zieles getroffen und bei manchen waren sogar bis zu 5 Schussverletzungen zu sehen. Bei diesen war es ersichtlich, dass sie in den Hinterkopf geschossen wurden, was der anwesende Gestapo-Angehörige bestätigte.“

In der Sandmulde des Schießplatzes kamen 194 tschechoslowakische Bürger aus Pardubice, Kolín und der Region Hradec Králové ums Leben.

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