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Abrechnung und Totenfeiern

Ein wichtiger Bestandteil der Geschichte über Silver A stellt die Nachkriegssuche der Überlebenden und der Schuldigen dar. Am Gedenken an die Opfer des Terrors nach dem Attentat auf Heydrich nahmen zehntausende Menschen teil.

Schon im Verlauf des zweiten Weltkrieges begannen die ersten Prozesse gegen die Kriegsverbrecher. Überhaupt die ersten Gerichtsverfahren wurden auf dem befreiten Gebiet der UdSSR schon im Jahre 1943 in Krasnodar eingeleitet. Mit der fortschreitenden Front und der Aufdeckung des bisher unerkannten Maßes der Kriegsgrausamkeit wuchs das internationale Interesse an dem Verfolgen der verantwortlichen Personen. Eine Reihe von internationalen Verträgen regulierte durchlaufend die Rechtsbedingungen, die den "Abrechnungsprozess" im ganzen okkupierten Europa korrigierten.

Das Thema Lidice und Ležáky, also insbesondere das Thema der Kinderopfer, kam zum Vorschein auch im Verlauf der Serie der Nürnberger Prozesse in den Jahren 1946-1947. In der imaginären Rangliste der erfolgreichsten Staaten, die die Kriegsverbrecher verfolgten, nahm die Tschechoslowakische Republik den zweiten Platz (22 000 verurteilte deutsche und österreichische Täter), gleich hinter der UdSSR (26 000 deutsche Verbrecher) ein. Jedoch weitaus wurden nicht alle Hauptakteure des Kriegsunrechtes betroffen. Am anderen Ende standen Italien mit ungefähr 35 deutschen Schuldigen und überraschend auch das äußerst verwüstete Griechenland mit lediglich 14 Verurteilten. In der Tschechoslowakei wurden für ihre Verbrechen die Haupttäter hingerichtet, zu denen K. H. Frank (hingerichtet am 22. 5. 1946) sowie der spätere vertretende Reichsprotektor und der Oberleiter der Schutzpolizei Kurt Daluege (hingerichtet am 23. 10. 1946) gehörten. Unbegreiflicherweise wurden durch das tschechoslowakische Gericht dem Führer der Schutzpolizei im Protektorat Paul Riege die persönlichen Verantwortlichkeit abgenommen, obwohl seine Gruppen Exekutionen während des zweiten Standrechtes durchführten und an der Niederbrennung der Dörfer Lidice und Ležáky teilnahmen. Im Frühjahr 1947 wurde er aus Nürnberg in die Tschechoslowakische Republik ausgeliefert, um im Januar 1948 in die westliche Zone der Deutschen Bundesrepublik ausgewiesen zu werden, obwohl seine Auslieferung die polnische Regierung verlangte. Die Freilassung von Riege komplizierte sehr die Verfolgung der Leiter der einzelnen Erschießungskommandos in Richtung Westen von dem "eisernen Vorhang", denn diese beriefen sich auf die Befehle ihres Vorgesetzten.

 

Der Höchststrafe entgingen auch die vier Gestapo-Mitglieder aus Pardubice nicht, die in den Jahren 1946-1947 vom Sondervolksgericht in Chrudim verurteilt wurden. Im Jahre 1950 wurde aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in die Tschechoslowakische Republik auch der ehemalige Vertreter der Gestapo in Pardubice Walter Lehne ausgeliefert, welcher jedoch bald starb.

In den Jahren 1963-1965 wurde schrittweise die Fahndung nach den Verbrechern des nazistischen Regimes eingeleitet (11). Den Impuls für die erneuerte Suche der Schuldigen stellte die drohende Verjährung der Kriegsverbrechen zum 8. Mai 1965 dar. Am 26. November 1968 wurde durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York das Abkommen über die Nichtanwendbarkeit der Verjährungsfristauf die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angenommen. Dieser bedeutende internationale Schritt führte zu einer weltweiten Steigerung der Bemühungen um die Verfolgung der nazistischen Kriegsverbrecher.

Im Zusammenhang mit Ležáky und Lidice war der erste von den nachträglich verurteilten Tätern Hermann Krumey, welcher auf dem Gewissen außer anderem den Tod der 82 Kinder aus Lidice und der 11 Kinder aus Ležáky in Chelmn hatte. In einem  komplizierten Prozess wurde er im Jahre 1969 zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt und er starb im Gefängnis in Erfurt im Jahre 1981. Im Jahre 1971 wurde in der DDR der ehemalige Regimentsleiter der Schutzpolizei aus Kolín Fritz Gottspfennig verhaftet, dessen Gruppen aus Pardubice und Hradec Králové in Zámeček die Opfer während des zweiten Standrechtes hinrichteten. Obwohl er "nur" zu 12 Jahren Freiheitstrafe verurteilt wurde, die Freiheit erlebte er aber nicht mehr, denn er starb im Gefängnis in Schwerin im Jahre 1976.

Der letzte Fall der verurteilten Verbrecher war Heinz Barth, der Schütze in Zámeček in Pardubice und ein Teilnehmer am Massaker im französische Oradour sur Glane (12). Ergriffen wurde er im Jahre 1981, trotz der durch das ostdeutsche Gericht erteilten lebenslangen Freiheitsstrafe wurde er im Jahre 1997 vorzeitig freigelassen. Bevor er im Jahre 2007 in Berlin starb, besuchte er noch den Ort seines ehemaligen Einsatzes.

Obwohl in der BRD und in Österreich zwischen den Jahren 1958-1983 fast zwanzig ehemalige Angehörige der Gestapo und der Schutzpolizei in Pardubice aufgedeckt und verhört wurden, wurde niemand von ihnen trotz den Bemühungen der Tschechoslowakischen Regierungskommission für die Verfolgung der nazistischen Verbrecher vor das Gericht gestellt.    

Die Nachkriegsgedenktotenfeiern bildeten eine alltägliche Realität der befreiten Tschechoslowakei. Gleich an den ersten Maitagen wurden die Todesorte der Gefallenen in dem Maiaufstand geschmückt. Gleichzeitig wurden Exhumationen der Opfer von den Orten, die der Öffentlichkeit bekannt waren oder die im Zusammenhang mit der Untersuchung der festgenommenen Verbrecher aufgedeckt wurden, durchgeführt. Terezín reichte sich von den Gräueln des Krieges noch nicht erholen, als im Juni 1945 die ersten pietätvollen Treffen in Lidice und Ležáky stattfanden.   

Am 24. Juni 1945 trafen sich in Ležáky geschätzte achtzigtausend Teilnehmer der Totenfeier. Obwohl in den folgenden Jahren ihre Anzahl bedeutend auf einige Tausend zurückging, wurde das alljährliche Andenken an die Opfer aus Ležáky zu einer Tradition. Insbesondere in den ersten drei  Jahren wurden zum Thema der Photographen die kleinen steinernen Haufen, die die ursprüngliche Orte der niedergebrannten Gebäude als "Grabe der Helden" symbolisierten. Zwischen den Überlebenden und den Teilnehmern  der Kriegsereignisse in Ležáky und Lidice entstanden tiefe zwischenmenschliche Beziehungen. Auch die Einwohner der benachbarten Gemeinden besuchten die Orte des nazistischen Terrors, um die grauenvolle Vergangenheit sowie das Andenken an diejenigen, die die Befreiung nicht mehr erlebten, zu ehren, kennenzulernen.

Zu einem untrennbaren Bestandteil der Gedenktotenfeiern wurden zwei aufgespürte Mädchen aus der Mühle in Ležáky, die in die Tschechoslowakei im Rahmen der Repatriierung in den Jahren 1946 und 1947 zurückkehrten. Ihre Anwesenheit wurde zum Symbol der neuen tschechoslowakischen Gesellschaft und des befreienden Gefühls aus dem Kriegsende. Nach den Kriegsqualen kehrte in die Heimat auch der Großvater Pelikán zurück und aus dem Kriegseinsatz kam nach Tschechien über die Schweiz auch der junge Bohumil Čech. Zdeněk Hrdý überlebte seit dem Jahre 1942 in den umliegenden Wäldern und der Müllerlehrjunge Jan Pavliš war ein Kronzeuge bei dem Untersuchungsverfahren der Tragödie in Ležáky.

Zum Träger der historischen Erinnerungen wurde im Jahre 1945 auch das Denkmal Zámeček, in dem vom 3. Juni bis zum 9. Juli insgesamt 194 Personen starben, einschließlich der Bürger aus Ležáky. Der Grundstein des neuen Denkmals wurde auf Antrag von MUDr. Karel Jičínský am 5. Juli 1946 gelegt (13).

Während in Lidice und Mladá Boleslav die sterblichen Überreste der erschossenen Männer bestattet sind, im Denkmal Zámeček und im Nationalkulturdenkmal Ležáky ist die Asche der hingerichteten Opfer aufbewahrt. Die Absicht der Gestapo, die "Märtyreratmosphäre" auf dem niedergebrannten Gebiet zu verhindern, war somit auf keinen Fall erfolgreich.

Zu einem bedeutenden Medium im Bereich der Verbreitung der Informationen und der Aufklärung wurde die Tschechoslowakische Post. Die Finanzerträge aus dem Verkauf von Briefmarken sowie der bei der Angelegenheit der Gedenkveranstaltungen herausgegebenen Bogen waren für pietätvolle Bearbeitungen und den Ausbau neuer Objekte bestimmt. Die Rückseite der Postkarten äußerte die Spannung der Nachkriegsgesellschaft, die schwierig die Formen einer Abfindung mit der Grausamkeit des Krieges suchte. Die Post wurde somit zu einem bedeutenden Medium, das dem Absender die Möglichkeit gab, sich an der Massenansicht zu beteiligen.

Seit 1948 wurden die pietätvollen Gebiete zu Orten des propagandistischen Missbrauches, der die Vorstellung über die führende Rolle der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ) in den Widerstandsgruppen stärken sollte. Im Falle der Bürger aus Ležáky und der Mitglieder des Widerstandes in Pardubice, obwohl sie aus verschiedenen sozialen Schichten kamen, würden wir Mitglieder der Kommunistischen Partei vergebens suchen. Die gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit der Widerstandskämpfer war nicht auf der Parteizugehörigkeit, sondern auf einem feinen Netzt der Freundschaft, dem Widerstand gegen den Nazismus und dem Drang nach der Erneuerung der demokratischen Tschechoslowakischen Republik aufgebaut.

Das Jiří Potůček-Denkmal am Ort seines Todes konnte der Änderung der Verhältnisse nach dem Februar nicht widerstehen. Die ursprüngliche Gedenktafel wurde durch eine gesellschaftlich akzeptablere Ansicht der historischen Ereignisse ersetzt.

Seine Gedenktafel bekam Jiří Potůček am 6. 7. 1946 auch von den Patrioten in seinem Geburtsort, in Vranov (heute Břasy u Rokycan). In den folgenden vierzig Jahren wurden die Denkmäler in der  Tschechoslowakei, aber auch allgemein im östlichen Block zu Orten der politischen Instrumentalisierung, die mit den Andenken an die nazistische Vergangenheit nur noch weniges gemeinsam hatte. Die heutigen pietätvollen Akte und Andenken an die Zeit der nazistischen Okkupation sind nicht mehr so durch die politische Unfriede belastet, sondern sie haben eine bedeutend stärkere erzieherische und kulturell-historische Form. Die Stadt Pardubice bemüht sich die Erinnerungen an ihre Heldenbürger, die zu den Opfern des Nazismus wurden oder die sich ihm stellen konnten, für die Zukunft zu erhalten. Es ist eine Aufforderungen für weitere Generationen, wie sie die tschechische Vergangenheit wahrnehmen werden und inwieweit sie für sie zum Muster wird.

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