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Gedenkstätten in Pardubice und in der Umgebung verbunden mit der Fallschirmtruppe Silver A

Zu den bedeutenden Orten, die mit der Tätigkeit der Widerstandsgruppe und der Fallschirmtruppe Silver A aus Pardubice verbunden waren, gehörten das „Hotel Veselka“, die Villa „Zámeček“ (Schlösschen), das niedergebrannte Dorf „Ležáky“ sowie der heutige „Jiří Potůček - Waldpark “. Die Geschichte dieser Orte stellen in Kürze nachfolgende Artikel vor, die die wichtigsten Meilensteine ihrer Existenz zusammenfassen.

„Hotel Veselka“

Das Hotel Veselka war eine der bedeutendsten gesellschaftlichen Dominanten von Alt-Pardubice (Pardubitz). Es wurde am Ende des 17. Jahrhundert im Stadtviertel Zelené Předměstí (Grüne Vorstadt) unweit des Tores Zelená brána (Grünes Tor) gebaut. Das Haus Nr. 76 gewann das Sonderrecht, eine Gaststätte mit dem Namen "Veselka" zu betreiben. Während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts blieb das Gebäude im Besitz der Familie Merkl, aber nach dem Tode von Vojtěch Merkl im Jahre 1749 wurde das Haus versteigert und bis zum Ende des Jahrhunderts wechselte es mehrere Eigentümer aus. Das verkommene Gebäude erwarb in sein Eigentum im Jahre 1802 František Kašpar, der jedoch um das Haus während eines großen Brandes im Jahre 1835 kam, dieser Brand vernichtete einen Großteil der heutigen třída Míru-Straße. Der anschließende Umbau vergrößerte die Innenräumlichkeiten um einen größeren Tanzsaal, der das Veranstalten von Bällen sowie Theateraufführungen ermöglichte. Jedoch die ständig steigende Besucher- und Zuschaueranzahl zwang Jan Kašpar, den Sohn des Eigentümers, zu einem Umbau der Gaststätte zum Hotel. Im Jahre 1858 konnten hier die ersten großen Vorträge, Konzerte, Unterhaltungen und Theatervorstellungen in einem neuen Saal mit dem Namen "Odeon" stattfinden. Nach dem Jahre 1915 wurde noch ein kinematographischer Saal mit dem Namen Kino "Imperial" angebaut. Zu den bedeutenden Gästen gehörten zum Beispiel B. Smetana (1873) oder A. Dvořák (1892). Die Grundlage für die Erfolge des Hotels Veselka bildeten das gebildete Personal, die erstklassige Küche und das Nobelmilieu. Zu den Besuchern gehörten auch der Kaiser Franz Joseph I., Tomáš Garrigue Masaryk, František Palacký, František Ladislav Rieger, Emil Holub und weitere.

Am 17. Dezember 1917 kaufte das Hotel der bisherige Mieter Josef Košťál, der um acht Jahre später nach einem aufwendigen Umbau die Kapazität auf 110 Hotelzimmer erweiterte. Seit der Hälfte der 30er Jahre übernahm das Hotel sein Sohn Arnošt Košťál, der sich in die tschechische Geschichte durch seine patriotische Einstellung und die kompromisslose Abneigung gegen die Nazis unverwischbar einschrieb. Um seine Person entstand ein Widerstandsnetz von Mitarbeitern, die über sechs Monate den tschechoslowakischen Fallschirmspringern aus Großbritannien halfen. Der Fallschirmspringer Josef Valčík wurde direkt im Hotel als ein Kellner angestellt. Während der Verhaftungswelle im Juni 1942 gehörte Arnošt Košťál zu den ersten Opfern des entdeckten Netzes Silver A. 

 Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde Veselka verstaatlicht. Im Jahre 1950 wurden die Hotelzimmer zu Büros des Nationalunternehmens Restaurace a jídelny (Restaurants und Speisesäle) umgebaut. Innerhalb von zwei Jahrzehnten wandelte sich das nicht gepflegte Gebäude in eine Ruine um, dessen vergangener Ruhm der Zeiten der nationalen Wiedergeburt und der ersten Republik nur noch aus historischen Photographien zu erkennen war. Kurz nach 6 Uhr morgens am 26. August 1972 wurde das ehemalige erstklassige Hotel trotz einer Protestwelle der Bürger aus Pardubice niedergerissen.   

 „Zámeček“

Zu Beginn des Jahres 1884 kaufte Jiří Larisch-Mönnich, der Graf und der Kohlenbaron aus Ostrava in einer Person, ein Grundstück am Rande von Pardubice. Er ließ hier einen Sommersitz nach dem Entwurf des Architekten František Schmoranz ausbauen. Als ein Pferde- und Reitsportliebhaber konzipierte er den ganzen Raum für die Zucht dieser edlen Tiere. Der Sandboden, Kiefernwälder und das mäßige Klima stellten eine ideale Umgebung für Ausritte in die Umgebung dar. Die Villa wurde auch zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt der bedeutenden Persönlichkeiten. Im Jahre 1897 kaufte die Villa in Pardubice, die schon den Namen "Zámeček " (Schlösschen) trug, der Graf Alfons Henckel, der sie als ein Hinterland für Parforcejagden ausnutzte. Bis zum Jahre 1928 war Zámeček im Eigentum der Familie Henckel, wonach die Villa mehrmals ihre Eigentümer auswechselte, erst im Jahre 1937 wurde sie zum Eigentum der Stadt Pardubice. Schon im September desselben Jahres wurden die Räumlichkeiten an die Militärverwaltung vermietet und am Ort wurde eine Reit-Lehranstalt errichtet. Im März 1939 wurden die Kasernen von der Okkupationsarmee und dem Reserve-Polizei-Bataillon "Böhmen" besetzt. In die Kasernen kamen dann zweihundert von Polizisten, die das Funktionieren der Rüstungsproduktion und die Zivilbevölkerung in Pardubice bewachten. Im Villengebäude wurden die Offiziere, die Unterführer dann in dem unweiten massiven Hauptgebäude untergebracht, in diesem befanden sich auch Garagen und eine Kantine für die Besatzung. Der mit Pflaster belegte Raum zwischen dem großen Gebäude mit Garagen und den niedrigen Ubikationen diente als ein Appellplatz. Hier war das Herz und das Gewissen der Truppe, denn an dieser Stelle nahmen die Männer befehle an, hier wurden sie öffentlich an den Pranger gestellt oder für ihre Gehorsamkeit und die Befolgung der Befehle hervorgehoben. Gegenüber diesem Gebäude befanden sich sechs einstöckige Ubikationen für die Besatzung. In den Kasernen waren auch tschechische Arbeiter, die vom Arbeitsamt zugeteilt wurden, angestellt, gleich ob als eine Arbeitskraft in der Küche, in der Betriebskantine oder in den Garagen. Das Gebäudekomplex und der anliegende Park waren von mächtigen hochgewachsenen Laub- und Nadelbäumen durchdrungen und sie bildeten einen geordneten Raum, der eher einem Sommersitz als den düsteren Kasernen glich. Am Ort der Ubikationen wurde dann auch ein Hinrichtungsplatz errichtet, auf dem im Jahre 1942 fast zweihundert von Zivilisten starben.

Im Jahre 1944 wurde die Schutzpolizei zurückgezogen und an den Ort kam eine Truppe der Feuerwehrpolizei, die hierher aus Pilsen versetzt wurde. Im Mai 1945 wurde Zámeček wieder von der Tschechoslowakischen Armee besetzt und bis zum Jahre 1955 wird die Villa zum Ort der Schule für den Offiziernachwuchs der Armee des sozialistischen Blockes. Im Jahre 1965 wurde das Gebäude zu einem Büro-Sitz des Nationalunternehmens Tesla, als dieser blieb es bis zum Jahre 2000, als es die Fabrik Foxconn übernahm. Die Räumlichkeiten des nicht ausgenutzten Bauobjektes erinnern mit ihrer Ausstattung an die vergangenen Zeiten des Nationalunternehmens Tesla sowie an die fünfzig Jahre des totalitären Regimes.

Weitere Informationen: www.zamecek-pardubice.cz(Herr Tomáš Novotný)

 

JIŘÍ POTŮČEK - WALDPARK IN PARDUBICE – TRNOVÁ

Am Ort des tragischen Todes des letzten Mitgliedes der Gruppe Silver A fand schon im Jahre 1945 das erste pietätvolle Andenken und im Jahre 1946 wurde feierlich das Denkmal mit folgender Inschrift enthüllt:

 

J I Ř Í    P O T Ů Č E K

*12.7.1919     + 2.7.1942

Diesen Ort segnete mit seinem Blut ein - hier legte sein Leben auf den Altar der Heimat

der große Idealist und Kämpfer für die Rechte des tschechischen Volkes,

der erste tschechische Fallschirmspringer, der im Rahmen der westlichen Bündnisarmeen kämpfte,

der im Jahre 1941 über seiner Heimat absprang, um mit einer Waffe in der Hand um ihre Befreiung zu kämpfen.

Er kämpfte und fiel an diesem Ort, getroffen durch einen tödlichen Schuss, der von der germanischen Bosheit geführt wurde,

aber sein großartiger Geist lebt weiter - er lebt in den Herzen des tschechischen Volkes

in die er sich für immer mit einer goldenen Schrift als ein großer Heldenkämpfer Böhmens einschrieb –

- UNSER -

J I Ř Í   P O T Ů Č E K – T O L A R

               Diese Inschrift auf der Denkmaltafel, die an den westlichen Widerstand erinnerte, konnte selbstverständlich dem kommunistischen Regime nach dem Jahre 1948 nicht entsprechen und so wurde sie in den 50er Jahren entfernt und durch Metallstreifen mit wesentlichen Angaben ersetzt. Wahrscheinlich nach dem Jahre 1968 wurde auf das Granitdenkmal eine neue Tafel mit einer Inschrift angebracht, die bis heute erhalten blieb. In den fünfziger sowie in den weiteren Jahren verfiel allmählich dieser pietätvolle Ort und er veränderte sich in einen durch Gesträuch und Bäume zugewachsenen, völlig unwürdigen Raum. Wohl nur einmal im Jahr- beim Andenken an die Tragödie in Ležáky - fand hier eine kleine pietätvolle Feier statt, die an die Ereignisse aus dem Jahre 1942 erinnerte.

Zu einer radikalen Veränderung kam es erst nach dem Jahre 1989 und insbesondere nach dem Jahre 2005. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Neubausiedlung in Trnová entstand vonseiten des Stadtbezirkes Pardubice VII die Absicht, eine Freizeitparkanlage zu errichten. Für diese Zwecke wurde gerade der Standort in der Nähe des J. Potůček - Tolar - Denkmals ausgewählt. Zu Beginn der Absicht führte der Stadtbezirk den notwendigen Grundstückwechsel in das Eigentum der Stadt Pardubice durch. Parallellaufend wurde die Ausarbeitung der Projektdokumentation zusammen mit der notwendigen Bewilligung erteilt. Bezüglich der Pietät dieses Ortes knüpfte der Stadtbezirk eine Zusammenarbeit mit Spezialisten in diesem Bereich PhDr. Jiří Kotyk, Ph.D. und Mgr. Jiří Štěpánek an. Eine weitere nicht leichte Aufgabe stellte der Erwerb von genügend Finanzmitteln für dieses kühne Projekt dar.  Das gelang um ein Jahr später aus dem  Budget der Stadt Pardubice. Im Jahre 2010 begann auf Grund eines Ausschreibungsverfahrens für den Hersteller des Werkes der Ausbau des multifunktionellen J. Potůček- Waldparks.  Als erste Arbeiten wurden im Waldpark die Sicherheitsbaumbeschneidungen, die Feststellung ihres Gesundheitszustandes und eine Registrierung durchgeführt. Heute dient der Waldpark auch als ein Lehrpfad mit einer Informationstafel zur Geschichte des Ortes, der aus einzelnen funktionellen Teilen besteht.                                                                

                      Erstrangig ist der pietätvolle Ort am J. Potůček-Denkmal selbst, das komplett rekonstruiert wurde. Ein Bestandteil des Denkmals sind die neu angebrachten Steine mit den Namen der Mitkämpfer aus der Fallschirmtruppe SILVER A - Kap. Alfréd Bartoš und Rottmeister Josef Valčík. Die restlichen drei Steine, die frei im Raum platziert sind, erinnern an die Namen der weiteren Kriegshelden. Der Ort wurde somit zu einer einmaligen Gedenkstätte an den Heldenmut der neun Fallschirmspringer, die im Kampf gegen die faschistische Okkupation gefallen und nach ihnen auch die Straßen in der nächsten Umgebung benannt sind.

                Der Jiří Potůček - Waldpark wurde am 7.10.2010 vom damaligen Bürgermeister des Stadtbezirkes Pardubice VII Herrn Milan Tichý eröffnet und die feierliche Rede hielt PhDr. Jiří Kotyk, Ph.D. Er sagte außer anderem: „Dieser Ort wird uns immer daran erinnern, dass der Mensch kein Herrscher der Geschichte ist und auch nie sein wird. Stehen wir hier kurz nicht nur mit tiefer Demut sowie der Hochachtung zum Vermächtnis von Jiří Potůček und seiner Kollegen, sondern auch mit einer Entschuldigung für die Entweihung dieses pietätvollen Ortes. Ich glaube, dass die neue Freizeitgestaltung dieses Waldparks zur imaginären Übergabe der Stafette der Erinnerung an die jüngste Generation, die hierher spielen und Sport betreiben kommt, beitragen wird. Ewige Ehre allen Kämpfern für die Freiheit, den wertvollsten Wert des 20. Jahrhunderts, allen, an deren Namen und Lebensschicksale hier erinnert wird!"

Autor: Jiří Štěpánek

Weitere Informationen: www.kpp.iipardubice.cz (Herr Jiří Štěpánek)

Kulturelles Nationaldenkmal - Pietätvolles Gebiet Ležáky

Der Ort Ležáky war eine kleine Ansiedlung der Steinmetzen von acht Häusern und einer Wassermühle, die als einzige einen Elektrizitätsanschluss hatte. Im Dorf lebten über fünfzig Einwohner, davon waren fünfzehn Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren. Die meisten Kinder besuchten die Volksschule in Včelákov und die Bürgerschule in Skuteč. Während die Männer am häufigsten als Arbeiter in den Granit-Steinbrüchen arbeiteten, die Frauen kümmerten sich um kleine Höfe.

Knapp nach der Okkupation der Tschechoslowakei im März 1939 durch die deutsche Armee entstand aus der Initiative der Bürger aus Ležáky und einigen naheliegenden Dörfer eine Widerstandsorganisation mit dem Namen "ČENDA". Bei der Entstehung dieser Gruppe standen vor allem der Mieter des Steinbruches Hluboká František Vaško, sein jüngerer Bruder und der Verwalter desselben Steinbruchs Jindřich Vaško aus Miřetice, der im Steinbruch angestellte Maschinist Karel Svoboda ebenfalls aus Miřetice, der Bürger aus Ležáky und Eigentümer des Autotransportes Čeněk Bureš, fernen dann der Müller aus der Mühle in Ležáky Jindřich Švanda, sein Schwager Josef Šťulík, der Arbeiter aus dem Steinbruch Černík Miloš Stantejský und eine sehr wichtige Person - der obere Wachtmeister Karel Kněz aus Vrbatův Kostelec. Diese acht mutige Männer bildeten den Kern der Gruppe, die anschließend mehr als 25 Mitglieder zählte und sie fand Kontaktpersonen zu großen nationalen Widerstandsnetzen wie ÚVOD (Ústřední vedení odboje domácího/Zentrale Führung des einheimischen Widerstandes) und PVVZ (Petiční výbor Věrni zůstaneme/Petitionsausschuss Wir bleiben treu).

Die Organisation ČENDA, benannt nach Čeněk Bureš, hatte einen weiten Übergriff in die benachbarten Gemeinden (Nasavrky – 9km, Chrasť - 7km, Skuteč – 8km, Hlinsko – 10km). Das Netz der örtlichen Widerstandskämpfer bestand vor allem aus Arbeitern aus den umliegenden Granit-Steinbrüchen. Diese "entwanden" aus den nicht registrierten Vorräten Sprengstoffe für Bedürfnisse des Widerstandsnetzes. Es dürfen auch die Mitglieder der umliegenden Gendarmerie-Dienststellen nicht vergessen werden, die diese "Diebstähle" durch nicht ausreichende Untersuchungen deckten und sogar auch sie selbst lieferten im Verlauf des Jahres 1939 mehrere Dienstwaffen aus den Gendarmerie-Lagern. Die Gendarmen ermöglichten auch eine Vernichtung der Registrierung der Waffenpässe und der Sprengstoffe, die in den Steinbrüchen notwendig waren, was einen Raum für eine weitere unkontrollierbare Verbreitung der Waffen in die Widerstandsorganisationen schuf. Eine gleiche Maßnahme versuchte der Wachtmeister Karel Kněz auch in den anderen Gendarmerie-Dienststellen in der Umgebung durchzusetzen. Die Organisation ČENDA war eine zahlenmäßig abgegrenzte Gruppe von Freunden-Widerstandskämpfern, die Kontakte mit größeren Widerstandsnetzen in der Umgebung pflegte. Die grundlegendste Verbindung aus Ležáky in die Umgebung von Pardubice und anschließend nach Prag sicherte František Vašek. Die bedeutende politische Person, die in die Umgebung von Ležáky die ersten tschechischen Fallschirmspringer brachte, war  der Führer der sozial-demokratischen Partei Bohumil Laušman. Dieser übergab nach seiner Emigration nach Großbritannien im Jahre 1939 dem II. (nachrichtendienstlichen) Widerstand des tschechoslowakischen Exilministeriums für die Nationalverteidigung in London Adressen der zuverlässigen  örtlichen Bürger. Dank seinen Kontakten fand zu Anfang Oktober 1941 seinen Versteck in Nasavrky unweit von Ležáky der erste tschechische Fallschirmspringer František Pavelka (Operation PERCENTAGE), dem es gelungen ist, auf dem Gebiet des Protektorats zu landen. In der nahen Umgebung von Ležáky waren innerhalb eines einzigen Halbjahres vom Oktober 1941 bis zum April 1942 insgesamt vier Fallschirmtruppen aus England - d.h. PERCENTAGE, SILVER A, SILVER B und INTRANSITIVE- tätig.

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