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Reinhard Heydrich und die Genozide der Völker

Reinhard Heydrich war die Hauptperson des nazistischen Terrors gegenüber der Bevölkerung im Dritten Reich sowie aus den okkupierten Gebieten. In die europäische Geschichte schrieb er sich als einer der einflussreichsten Anstiftern des Holocausts und der ethnischen Säuberung. Seine Rolle im Amt des Reichsprotektors im Protektorat war nur eine Nebenepisode. Wie entwickelte sich der Weg zur Genozide und der planmäßigen Ausrottung von Millionen Menschen?

Der Herbst 1941 war aus der Sicht der nazistischen Führung der Gipfel der expansiven Politik und der erfolgreichen Kriegsoperationen. Der massivste Angriff auf die Sowjetunion, zu dem von den nazistischen Armeen am 21. Juni 1941 angesetzt wurde, bestätigte einerseits mehr oder weniger die stabile Kontrolle der Nazis über das eingenommene Westeuropa, andererseits erfüllte er das Programm der ideologischen, wirtschaftlichen sowie der Rassenpolitik in Richtung Osten. Der Existenzkampf der nazistischen und kommunistischen Diktatur klang im Herbst 1941 völlig eindeutig zugunsten des Dritten Reiches aus, dessen Armeen zu Leningrad und Moskau vordrangen. Die Nazis beherrschten Europa vom Atlantik bis zur Moskauer Vorstadt, von der Ostsee bis zur afrikanischen Küste. Die ungesehenen Erfolge der Wehrmacht und der SS-Truppen ermöglichten den Beginn der Massaker der Zivilbevölkerung, die im Wege der Germanisierung der eingenommenen Gebiete stand. Zum Ziel der Massensäuberungen wurden in erster Linie die Juden und die politischen Exponenten der kommunistischen Partei, in der zweiten Linie dann die gefangenen Soldaten der Roten Armee und die slowakische Zivilbevölkerung. Das nazistische Regime suchte seit Sommer 1941 bis zum Herbst 1942 Methoden, wie am effizientesten eine große Anzahl von lästigen Personen zu töten. Im Frühjahr 1942 wurden schon 25 % der Holocaustopfer getötet, was fast 1,5 Millionen Menschen bedeutete. Das System der persönlichen Gegenüberstellung der Täter mit den Opfern zeigte sich nicht nur bezüglich der unverhältnismäßigen Zeitbelastung jeder einzelnen Exekution, sondern insbesondere der psychischen Erschöpfung der unvorbereiteten Henker als nicht effektiv. Der Weg zu unpersönlichen Massenmorden führte somit von Nackenschlägen, über erfolglose Experimente mit dem Sprengstoff und die geschlossene Lastwagenkasten gefüllt mit Auspuffgasen bis zu technokratisch bearbeiteten Gaskammern in den Krematorien in Osvětim. Das Morden durch Auspuffgase (Lager Chelmno, Belzec, Treblinka, Sobibor) und anschließend  durch Zyklon B zeigte sich als die effizienteste Methode. Eine schrittweise Durcharbeitung des Mordsystems innerhalb eines Jahres, d.h. vom Sommer 1941 bis zum Sommer 1942, ermöglichte eine perfekte "Verschlankung" des erforderlichen Personals und eine Erhöhung der Kapazität der Vernichtungseinrichtungen und - lager. 

Ein erfolgreicher Beginn der Dezimierung der jüdischen und slowakischen Bevölkerung im Zusammenhang mit dem glückverheißenden Verlauf des Ostzuges füllte die führenden Parteispitzen der NSDAP mit Optimismus. Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, seine Untergeordneten Reinhard Heydrich (Leiter des Reichsicherhauptamtes RSHA) (1) und Kurt Daluege (Leiter der Ordnungspolizei) bestimmten die Richtungen des weiteren Vorganges in der Rassenfrage und sie koordinierten praktisch die militärisch-polizeiliche Operationen von den Posten der höchsten Parteifunktionäre des Dritten Reiches. Auf dem Rücken der vordringenden Armeen begannen die Mitglieder der Operationsgruppen der SS und der Ordnungspolizei unter Aufsicht von Himmler, Heydrich und  Dalueg mit den ersten Säuberungen. Am Anfang Juli 1941 begannen die Truppen die jüdische Bevölkerung in Minsk zu vernichten, in der Hälfte desselben Monats wurden Tausende von Zivilisten in Bialystok ermordet. Die Ordnungspolizei, die bis dahin seitwärts des Massenterrors stand, begann aktiv in die Endlösung und das Dezimierungsprogramm einzugreifen. 

Die Fähigkeiten von Heydrich im Bereich der Erfüllung des antisemitischen Programms der NSDAP wurden zweimal mit der höchsten Position im judenfeindlichen System des nazistischen Regimes belohnt. Am 24. Januar 1939 wurde Heydrich zum Beauftragten der "Lösung der jüdischen Frage". Zwischen den Jahren 1939 - 1941 suchten die Nazis erst die Formen und die Definition des Wortes "Lösung". Die geplante Übersiedlung der jüdischen Bevölkerung im Rahmen der Operation Madagaskar und Nisko stoß schrittweise auf unüberwindbare Probleme vom Militär- und Transportcharakter an. Die chaotische Operation der Übersiedlung der Juden in das Gebiet der polnischen Stadt Niska in Ostpreußen scheiterte, die Übersiedlung der Juden nach Madagaskar wurde wiederum durch die erfolglose Eroberung Englands, das das Mittelmeer und die afrikanische Küste beherrschte, vereitelt. Während dieser erfolglosen Versuche verlief jedoch immer noch die T4-Operation, d.h. eine Vernichtung der physisch und psychisch kranken Patienten in den deutschen und polnischen  Heilanstalten. In den Jahren 1940-1941, als Heydrich umfangreiche Verschiebungen der außerhalb des Gebietes des Dritten Reichs zerstreut lebenden Deutschen in Gebiete der kontinuierlichen Besiedelung plante. Die ursprüngliche insbesondere polnische Bevölkerung wurde im Gegenteil weiter in den Osten transportiert. Um die Unterbringungskapazitäten aller Art, einschließlich der Krankenhäuser und Heilanstalten, frei zu machen, wurden die Praktiken der Vergasung und der tödlichen Injektionen auch gegenüber den Zivilisten ausgeübt. Am 31. Juli 1941 wurde Heydrich zum Beauftragten der "Endlösung der jüdischen Frage" ernannt. Zu diesem Augenblick wurde schon über den echten Sinn des Wortes "Endlösung" entschieden. Die Begeisterung für das Suchen neuer Methoden und die Koordinierung der Vorgänge der Exekutionseinheiten, die Bildung eines effektiven Mordsystems, die innere Stabilität des Regimes und der unaufhörliche Enthusiasmus aus dem östlichen Zug führten zum Gipfelaufschwung von Heydrich, der am 27. September 1941 mit dem Posten des vertretenden Reichsprotektors und des Generalpolizisten mit dem Rang des SS-Obergruppenführers belohnt wurde. Seine Ankunft in Prag war nicht nur eine Reaktion auf die ständigen Widerstandformen der tschechischen Zivilisten, sondern auch eine Vorbereitung der umfangreichen Pläne der Germanisierung des böhmisch-mährischen Raumes. Schon um zwei Jahre früher wurde im Zusammenhang mit den Deportationsproblemen der Juden und Polen die Übersiedlungsform der Tschechen in östliche Gebiete Polens abgelehnt. Hitler wählte die zweite Variante und zwar die Germanisierung, die technisch nicht so anspruchsvoll war und sie schien viel mehr effizienter zu sein. Die militärische Lage im Sommer und im Herbst 1941 ermöglichte, die Germanisierung des Protektorats Böhmen und Mähren mit einer weitaus bedeutender Intensität aufzunehmen. Die Visionen von Heydrich über die Evakuation der sich nicht anzupassenden Tschechen nahmen realisierbare Konturen an, obgleich sie schließlich nicht verwirklicht wurden.

Zur Durchführung der pronazistischen Politik verfügte der Reichsprotektor über mehrere wichtige Instrumente. Heydrich beherrschte das Apparat der Sicherheitspolizei, die aus der geheimen Staatspolizei, des Sicherheitsdienstes und einem Teil der Kriminalpolizei bestand. Die Leitung dieser Einheit fiel dem Führer der Sicherheitspolizei der SS - dem Standartenführer Horst Böhm mit Sitz in Prag zu. Es wurden zwei führende Dienststellen der geheimen Polizei, eine mit Sitz in Prag (Leiter SS-Obersturmbannführer und Oberregierungsrat Dr. Hans Ulrich Geschke), mit der Zuständigkeit für das Gebiet Böhmen und eine in Brünn (Leiter Wilhelm Nölle), mit der Zuständigkeit für Mähren, errichtet. In Böhmen bestand das System der geheimen Polizei aus 11, in Mähren aus 8 Außendienststellen der geheimen Polizei. Der Sicherheitsdienst hatte dann ihren Sitz in Prag, die Hauptaußendienststelle war in Brünn und im gesamten Gebiet des Protektorats waren 14 Außendienststellen tätig. Die Kriminalpolizei hatte ihre Hauptsitze in Prag und Brünn.   

Im Bereich der Justiz wurden das Oberlandesgericht in Prag, Landesgerichte in Prag und Brünn, ferner ein Netz von Zweigstellen der Landes- und Kreisgerichte errichtet. Daneben entstanden auch Sondergerichte in Prag und Brünn, sowie ein Polizeigericht der SS in Prag. Für den Fall der Verkündung eines Zivilnotstandes wurde mit der Errichtung eines Standgerichtes gerechnet. Im Protektorat wurde der Sitz der Ordnungspolizei in Prag etabliert. An ihrer Spitze stand der Generalleutnant Paul Riege. Der Leiter war gleichzeitig auch Leiter der uniformierten Protektoratspolizei und es unterlagen ihm zwei Polizeiregimente - 20 "Böhmen" und 21 "Mähren", die ihre Regimente in größeren Industriestädten und an wichtigen Verkehrsknoten verteilt hatten. Auf dem Gebiet des Protektorats waren ferner Einheiten der Wehrmacht, der Luftwaffe, der Waffen-SS und Reichsarbeitsdienste stationiert.      

Obwohl das böhmisch-mährische Gebiet von zwei großen Wellen der Verfolgung der Bevölkerung betroffen war, bis zum Antritt von Heydrich wurden keine Massenformen der Verfolgung, die dem Vorgang in Polen ähneln und mit einem unmittelbaren Tode drohen würden, angewendet. Die erste große Welle der Festnahmen kam im Verlauf des Jahres 1939. Im Zusammenhang mit der Entstehung des Protektorats Böhmen und Mähren nach dem 15. März 1939 und zur Zeit der Kriegserklärung an Polen am 1. September 1939 wurden präventiv die wirklichen und potentiellen Gegner des nazistischen Regimes festgenommen. Die massenhaften Unruhen am Jahrestag der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik am 28. Oktober 1939 hatten ihre bedeutende tschechenfeindliche Reaktion in der nazistischen Vorgehensweise gegenüber den Hochschulstudenten. Nach der Beerdigung des erschossenen Jan Opletal und den anschließenden Demonstrationen wurden am 17. November 1939 neun Personen, die mit den studentischen Unruhen verbunden waren, erschossen und alle tschechischen Hochschulen sollten für drei Jahre geschlossen werden. Zum Präzedens in der Vorgehensweise gegenüber den neun Funktionären wurde die Art und Weise der durchgeführten Warnung. Mindestens fünf von der angeführten Anzahl der hingerichteten Personen setzten sich in ihren öffentlichen Funktionen um eine möglichst akzeptable Zusammenarbeit mit den Okkupanten ein, zusätzlich stellten die neun Männer ein politisches Spektrum von Gönnern der kommunistischen Partei bis zur Nationaldemokratie dar, jedoch sie traten als Mitglieder der nationalen Geselligkeit auf. Die demonstrative Exekution von Menschen, die die Repräsentanten der ganzen studentischen Gemeinschaft waren, sollte diejenigen verunsichern, die ihre gesellschaftliche Stellung als eine gewisse Form des Schutzes wahrgenommen haben, aber sie waren bereit, eine deutschfeindliche Tätigkeit auszuüben. Die neun Funktionäre bildeten eine Brücke zwischen der Okkupationsordnung und der studentischen Spontaneität, diese Brücke wurde von den Nazis als erstes geopfert. Tausendzweihundert von Studenten aus dem stürmischen Prag, aus den ruhigen Städten Brünn und Ostrava wurden in das Konzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg verschleppt, jedoch, wenn sie nicht ums Leben kamen, wurden sie innerhalb der folgenden Jahren freigelassen. Während der ganzen Gefangenschaft spielten sie eine Rolle des "Argumentes", das die Protektorats-Regierung zu einer aktiven nazistischen Politik zwingen sollte. Der Inzident brachte mit sich auch eine ungewöhnlich starke Reaktion der ausländischen Öffentlichkeit, die den brutalen Vorgang in Prag vom 28. Oktober bis zum 20. November 1939 mit einem unverhohlenen Entsetzen verfolgte. Die nazistischen Organe griffen energisch gegen die nationale intellektuelle Elite ein, aus deren Reihen die zukünftigen Führer der Widerstandsbewegung  sowie der ersehnten erneuten Republik hervorgehen könnten. Das Zertreten der akademischen Freiheiten oder sogar die Vernichtung des Bildungssystems muss immer automatisch zur Devalvation der Kulturwerte und der gesellschaftlichen Errungenschaften jeder nationalen Gemeinschaft führen. Als das sich Bewusstwerden dieser Tatsache wurde der 17. November während der Kriegsjahren allmählich in der internationalen Gemeinschaft als ein Symbol des Kampfes der Studenten um die Freiheit hervorgehoben. Was für eine starke Unterdrückung dies war, zeigte sich auch um fünfzig Jahre später, als das tschechoslowakische kommunistische Regime zu fallen begann.

Die Vertreibung des Diplomaten Karel von Neurath, der allzu sehr die Vorstellungen von Frank über die Behandlung der ethnischen Tschechen und die Einsetzung vom treuen Heydrich, der darüber hinaus eine Unterstützung durch die Erteilung von hohen Würden und Orden für die brutalen Vorgänge gegenüber der Opposition aller Art im Reich hatte, bremste, weissagte eine bedeutende Stärkung der Protektorats-Verhältnisse (2). Mit dem Antritt von Heydrich kam auch eine zweite Verfolgungswelle der tschechischen Bevölkerung des Protektorats und die Einleitung der Deportation der tschechoslowakischen Juden. Am 28. September 1941 verkündete Heydrich das Standrecht, das nur für die ethnischen Tschechen angewandt wurde. Mehr als hunderttausend  Tschechoslowaken der jüdischen Herkunft oder Religion fielen in den Schlamm der nazistischen Verfolgung. Auf den Prager Beratungen am 10. und 17. Oktober 1941 entschied Heydrich über die Errichtung eines Sonderghettos in Terezín für die deportierten Juden aus dem Reich, dem Protektorat und auch aus Westeuropa. Die ersten jüdischen Transporte verließen das Protektorat in Richtung Lodz, Riga und Minsk.

Die Leiter der Operationsgruppen und der Schutzpolizei legten Nachdruck insbesondere auf die Personalzusammensetzung, die psychische Bereitschaft und die ideologische Vorbereitung der Gruppen, die die "Endlösung" durchführen sollten. Die Einsatzgruppen hatten eigene Methoden zu schaffen, wie hunderttausende Juden aus den östlichen Gebieten Polens und der Sowjetunion zu ermorden. Die Vernehmungsprotokolle der Mitglieder der Schutzpolizei und die zeitgenössischen Henkerprotokolle ermöglichen uns die übereinstimmenden Grundsätze bei der Suche der geeignetsten Methoden der Genozide auf dem Gebiet des Protektorats Böhmen und Mähren zu analysieren. Für diesen Prozess waren die "kleinen Räder" erforderlich, damit die ganze Maschinerie funktionieren kann, wie der Richter Dr. Klaus-Dietrich Zimmermann im Falle der zwei Hauptangeklagten im Prozess des 101. Reserve-Polizei-Bataillons Julius Wohlauf und Wolfgang Hoffmann, die für den Tod von 38.000 Zivilisten verantwortlich waren, konstatierte. 

In der Zeit, als die Struktur des Vernichtungssystems kristallisierte, entschied Reinhard Heydrich über das Schicksal der deutschen, österreichischen und tschechischen Juden, die schrittweise auf den Hinrichtungsplätzen in den eingenommen östlichen Gebieten hingerichtet werden sollten. Im September und Oktober 1941, als Heydrich den Posten des vertretenden Reichsprotektors ergriff, übte er die Funktion des "Pazifikators" der sich nicht anzupassenden Tschechen aus und er suchte mit seinen Mitarbeitern die einfachste und schnellste Lösung der jüdischen Frage. Im Interessenmittelpunkt der Nazis akzentuierte sich neben dem östlichen Zug auch die Frage der Rassenumstrukturierung von Mittel- und Osteuropa. Im Sucher der Gewehre zeigten sich neben der jüdischen Bevölkerung immer öfter die slawischen "Untermenschen", die in der Ordnung der demographischen Umstrukturierung von Euroasien auf der zweiten Stelle waren. Die ethnischen Säuberungen trugen sich aus dem okkupierten Polen und anschließend den westlichen Gebieten der Sowjetunion in einer versteckten Form in das Protektorat Böhmen und Mähren über. Der Angriff auf Polen löste eine Kriegskatastrophe aus, die die Spezialgruppen des  Einsatzkommandos und der NKVD zu einer Massenbeseitigung der Nazismus- und Kommunismus-Feinde ausnutzten. Offenbare Terrorformen, die mehrere Zehntausende von toten Polen und Juden erreichten, blieben in Gräben in abgelegenen Orten verborgen. Über diese Verbrechen erfuhr die tschechische Öffentlichkeit erst in den Nachkriegsprozessen.

Unter der verborgenen Form wird die Genozide der Tschechen mit Hilfe von "rechtlichen" Mitteln als eine "Schutzhaft" des Konzentrationslagers oder die Entscheidungen des Dresdner oder Berliner Gerichtshofes über die Hinrichtungen gemeint. Erst der Antritt von Heydrich brachte neue Formen der halböffentlichen Beseitigung der Regimefeinde. Diese Radikalisierung zeigte sich in voller Kraft, aber bisher nur an einer geringen Opferanzahl, während des zweiten Standrechtes im Juni 1942. Das Standrecht überprüfte die Eignung der systematischen Morde der Tschechen im Protektorat Böhmen und Mähren, ohne dass die wirtschaftlichen Ziele der Nazis verletzt wären. Auch die Methoden erforderten nicht nur Sonderformen der Morde, sondern auch Sonderformen der Arbeit mit dem tschechischen Ethnikum insbesondere unter Anwendung der Massenmedien. Das Gebiet des Protektorats wurde von den Nazis zu keiner Massenvernichtung der Zivilisten, wie zum Beispiel in Polen, bestimmt. Alle tschechischen Juden, anstatt dass sie massenweise in Hainen oder auf den Feldern wie auf dem polnischen Land oder in den Vorstädten der ukrainischen Städte ermordet wurden, wurden nach Terezín außerhalb der Blicke der ethnischen Tschechen transportiert. Der Krieg in seiner brutalen Form sollte im Protektorat erst ausbrechen.

Erfahrungen aus dem okkupierten Polen bot ihm der Generalgouverneur Hans Frank an, der dem Druck der Zufuhr neuer Transporte von zehntausenden Juden gegenüberstand. Schon seit Juli 1941 wurden schrittweise die Techniken des Tötens der Zivilisten mittels Schüsse in den Kopf, über die Anwendung eines massenweisen Abschusses mit einem Sprengstoff, bis zu technisch perfekten Gaskammern entwickelt (3). Bis zum Frühjahr 1943 blieb als die Hauptmethode des Menschentötens der Kontaktschuss in den Scheitel, bis sie durch massenweise Morde in mobilen und festen Gaskammern überwältigt wurde. Gerade die "Methode" der Kontaktmorde, die insbesondere in den Jahren 1941 - 1942 angewandt wurde, stellte erhebliche Ansprüche nicht nur auf die Logistik, sondern insbesondere auf die Psyche der Täter. Auch für die meisten tief überzeugten Nazis war so eine extreme Unmenschlichkeit psychisch ziemlich anspruchsvoll. Heydrich orientierte durch seine unbeugsame Handlung, die organisatorischen Fähigkeiten sowie exakt festgelegten Ziele sämtliche Aufmerksamkeit auf die Rassenumgestaltung des beherrschten Europas.    

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