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Silver A in Pardubice

Die Tätigkeit der Fallschirmtruppe Silver A in Pardubice. Die Findung wichtiger Kontakte zu entschiedenen Patrioten. Der Weg nach Ležáky.

Die Mai- und Juniereignisse des Jahres 1942 schrieben sich unverwischbar in die tschechische Geschichte ein und schon über vier Generationen beeinflussen sie die Erinnerungen der Tschechen an den Krieg. Der Zeitraum des zweiten Standrechtes war insoweit ein wichtiger Eingriff in die Protektorats-Gesellschaft, dass er nach zwanzig Jahren seit dem Kriegsende zum Gegenstand eines der umfangreichsten Ermittlungsverfahrens wurde, das von der tschechoslowakischen und deutschen Justiz geführt wurde. Aber kehren wir in die Zeit des Attentats auf Reinhard Heydrich und zu den sich daraus ergebenden Folgen zurück.

Die Operation der Fallschirmspringer der Gruppen Anthropoid (Jan Kubiš, Josef Gabčík) und Silver A (Alfréd Bartoš, Josef Valčík, Jiří Potůček) wurde unmittelbar nach ihrem Absprung auf das Gebiet des Protektorats Böhmen und Mähren in der Nacht vom 28. zum 29.12.1941 eingeleitet. Die aufgeteilten Aufgaben können wir in zwei Teile gliedern. Anthropoid bereitet den Angriff auf die mächtigsten Männer des Protektorats vor, Silver A holte nachrichtendienstlich wertvolle Informationen ein und in einer beiderseitigen Kooperation beider Gruppen sollte über die fortschreitenden Operationen der Londoner Militärzentrale informiert werden. Der Plan des Angriffs auf Reinhard Heydrich unterlag der Geheimhaltung und es war in ihn kein Mitglied der Tschechoslowakischen Exilregierung eingeweiht. Solche bedeutende Aufgaben könnten nicht ohne Hilfe der einheimischen Widerstandsgruppen erfüllt werden. Aber auf wen konnten sich die Fallschirmtruppen verlassen, wenn die einheimischen Widerstandsorganisationen nach dem harten Eingriff von Heydrich im Herbst 1941 nicht mehr zuverlässig funktionierten, ihre Struktur wurde zerstört und die führenden Leiter sowie die einfachen Mitglieder massenweise festgenommen wurden? Historische Tatsache ist, dass nach der Rückkehrt von Alfréd Bartoš nach Pardubice der junge Mann von einer Reihe der örtlichen Bürger erkannt wurde, jedoch niemand erstattete einen Bericht über seine Rückkehr aus der Emigration an die Sicherheitsorgane.  

Die ausländischen militärischen Vertreter rechneten mit der gefährlichen einheimischen Situation, daher bekamen die Fallschirmtruppen Kontaktadressen der weniger bekannten Widerstandskämpfer, oder der zuverlässigen Freunde der ehemaligen Politiker. Nicht anders war es bei der Fallschirmtruppe Silver A, der bedeutend mit der Adressenübergabe der sozial-demokratische Parteiführer Bohumil Laušman aus der kleinen Gemeinde Žumberk am Rande der Böhmisch-Mährischen Höhe half. Sein ehemaliger Fahrer und vor allem sein Freund František Švadlenka begrüßte die jungen Fallschirmspringer in seinem Haus und er half ihnen weitere sichere Verstecke zu finden. Es ist erstaunlich, dass die Gruppe ihren festen Platz für das Funkgerät mit dem Decknamen "Libuše" (Libusa) innerhalb einer einzigen Woche fand. Eine Reihe von Freunden und der mit dem Nazismus nicht abgefundenen Tschechoslowaken schuf für die jungen Männer aus England zwanzig Verstecke. Die wichtigsten waren im Steinbruch Hluboká von František Vaško und in der unweiten Mühle von Jindřich Švanda in Ležáky (7).  Am 9. Januar 1942 meldete sich das Funkgerät Libuše zum ersten Mal, obwohl es auf Grund einer Beschädigung keine Antwort aus London empfing. Am 15. Januar knüpfte es jedoch einen Kontakt an, den es gelang über unglaubliche sechs Monate zu erhalten. Die Station wurde zum Treffpunkt des ausländischen und einheimischen Widerstandes, woher sich die Nachrichten immer in die bestimmten Richtungen verbreiteten. Dort, wo der Funker Jiří Potůček und Libuše waren, war imaginär der einheimische sowie der ausländische Widerstand in einem.

Aber die Gruppen hatten einen sehr starken Feind. Die Nazis waren auf ähnliche Fallschirmoperationen vorbereitet.  Die Nachricht über die Strecke des feindlichen Einzelflugzeuges, das sich auf dem Nachthimmel des Protektorats in der Nacht zum 29. Dezember zeigte, lag auf dem Tisch von Heydrich schon innerhalb von zwei Tagen. Der Überwachungsdienst  vermutete sehr gut, dass dieses Ereignis völlig ungewöhnlich ist und dass es einer großen Aufmerksamkeit der Sicherheitsgruppen bedarf. Der Gestapo gelang es, schrittweise die gegenseitigen Kontakte der einheimischen Widerstandskämpfer und der neu ankommenden Gruppen aufzudecken. Nach der Schießerei bei der Karlsbrücke mit dem Kapitän Morávek erbeutete die Gestapo die Fotografie von Josef Valčík und sie  veranlasste eine Fahndung nach ihm.  

Zwei APF-Mitglieder, der Steinbrucharbeiter Karel Andrák aus Dřeveš (einfaches Mitglied) und der Arbeiter Karel Holfeuer aus Blatno u Hlinska (Bezirksleiter), verfassten am Anfang Juni 1942 einen angeberischen Brief über den Müller Jindřich Švanda aus Ležáky. In diesem Brief, der nur in einer Zeugen-, nicht in einer schriftlichen Form erhalten blieb, verdächtigen sie Švanda der Kontakte mit dem organisierten Widerstand. Diese gefährliche Anzeige, die auch einen Teil des Widerstandes in Pardubice aufdecken könnte, wurde zum Glück von der Gestapo als unbegründet abgeschlossen.

Erst die bedrückte von Hinrichtungen und der menschlichen Tragödie am 10. Juni geprägte Atmosphäre nach dem erfolgreichen Angriff auf Heydrich am 27. Mai 1942, brachte zur Gestapo am 16. Mai Karel Čurda, einen der Fallschirmspringer der Gruppe Out distance (8). Erst jetzt deckte die geheime Polizei fast dreißig Verstecke beider Fallschirmtruppen und damit auch ihre Mitarbeiter auf. Am 19. Juni zeigt sich die Gestapo zum ersten Mal in Ležáky, bzw. in der Verwaltungsgemeinde Dachov. Sie stellt die Anzahl der Einwohner, ihre Berufe, die Vermögensverhältnisse, einfach alles, was für eine Niederbrennung des Dorfes und den Mord ihrer Einwohner erforderlich ist, fest. Die Rundfunkstation und Jiří Potůček verließen jedoch die Mühle in Ležáky vor einigen Tagen, aber durch die Hilfe selbst verletzten sie gleich mehrere Punkte der brutalen Verordnung des vertretenden Kurt Dalueg. Nur am Rande ist zu bemerken, dass es zum ersten Mal in der Geschichte von Mittel- und Westeuropa der Fall war, dass von den Vertretern der Waffengewalt offiziell der sog. Sippenhaft-Grundsatz verkündet wurde, d.h. eine Verantwortlichkeit der breiteren Familienangehörigen für die Handlung ihres Mitgliedes. Diese "gesetzliche Norm" "berechtigte" die nazistischen Gruppen nach dem altgermanischen Recht zu Eingriffen gegen das ganze Dorf so, wie es die Nazis in Lidice zeigten. Am 24. Juni 1942 wurde das Dorf  Ležáky von der Gestapo und der Gruppe der Schutzpolizei aus Pardubice überfallen, die Mühle sowie die acht Häuser wurden geräumt, ausgeplündert und niedergebrannt. Die dreißig Einwohner starben noch an demselben Abend auf dem Schießplatz in dem Kasernengelände Zámeček der Schutzpolizei in Pardubice (9). Die Nazis entführten während der folgenden Tagen dreizehn Kinder in die polnische Stadt Lodz. Zu der Gruppe der elf der Germanisierung unfähigen Kinder aus  Ležáky fügten sie ein Mädchen aus Lidice hinzu und am 25. Juli 1942 enden ihre Spuren in dem Gaswagen des Vernichtungslagers Chelmno. Der 2. Juli 1942 war der letzte Tag für vierzig Widerstandskämpfer aus Pardubice.

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